Muttermilch abpumpen gibt Ihnen Flexibilität und einen Vorrat für Zeiten, in denen Sie nicht selbst stillen können. Ein guter Zeitpunkt ist etwa 30 bis 60 Minuten nach dem Stillen. Wie viel dabei zusammenkommt, schwankt stark und sagt nichts über Ihre Milchbildung aus. Frisch abgepumpte Milch hält im Kühlschrank einige Tage und im Gefrierfach etwa sechs Monate.

Vielleicht gehen Sie bald wieder arbeiten, vielleicht möchten Sie Ihrem Partner das Füttern ermöglichen, oder Sie wollen einfach einen kleinen Vorrat für den Notfall anlegen. Muttermilch abpumpen macht all das möglich, und es ist einfacher, als es beim ersten Mal wirkt.

In diesem Ratgeber lesen Sie, wann und wie oft Abpumpen sinnvoll ist, wie viel Milch normal ist, wie Sie sie sicher aufbewahren und welche Pumpe zu Ihrer Situation passt. Wir sagen dabei offen, wo verbreitete Sorgen unbegründet sind, damit Sie sich nicht unnötig unter Druck setzen.

Wann sollte ich am besten Muttermilch abpumpen?

Der Zeitpunkt macht einen Unterschied, weil die Brust morgens meist voller ist und der Körper einen Rhythmus mag.

Als guter Startpunkt gilt: etwa 30 bis 60 Minuten nach einer Stillmahlzeit. Dann hat sich bis zur nächsten Mahlzeit wieder genug Milch gebildet, und Sie nehmen dem Baby nichts weg. Viele Frauen pumpen morgens am erfolgreichsten, weil die Brust nach der Nacht am vollsten ist.

Wenn Sie voll stillen und nur einen kleinen Vorrat anlegen wollen, reicht es, einmal täglich zu einem festen Zeitpunkt zu pumpen, idealerweise morgens nach dem ersten Stillen. Wenn Sie stärker auf das Abpumpen angewiesen sind, etwa vor dem Wiedereinstieg in den Beruf, orientieren Sie sich am natürlichen Stillrhythmus des Babys.

Ein wichtiger Punkt vorweg, der viel Druck nimmt: Beim Abpumpen fließt die Milch nur, wenn der Milchspendereflex einsetzt, und der reagiert empfindlich auf Stress und die ungewohnte Situation an der Pumpe. Wenn bei Ihnen an der Pumpe wenig kommt, liegt das fast nie an zu wenig Milch. Wie Sie den Milchspendereflex beim Abpumpen gezielt auslösen, lesen Sie im gesonderten Ratgeber, das ist der wichtigste Hebel für eine entspannte Pumpsitzung.

Wie oft am Tag sollte ich abpumpen?

Das hängt ganz davon ab, warum Sie pumpen. Es gibt keine eine richtige Zahl, sondern es richtet sich nach Ihrem Ziel.

Ihr ZielEmpfohlene HäufigkeitHinweis
Kleiner Vorrat neben dem Vollstillen1 mal täglichAm besten morgens nach dem Stillen
Regelmäßige Flasche durch andere Personen1 bis 2 mal täglichZeitlich zur ausgelassenen Mahlzeit
Vollständiger Ersatz einer MahlzeitSo oft, wie das Baby sonst tränkeRhythmus des Babys nachahmen
Aufbau oder Aufrechterhaltung ohne Stillen8 mal in 24 Stunden, je etwa 15 MinutenUntergrenze zum Erhalt der Milchbildung

Der Grundsatz dahinter ist immer derselbe wie beim Stillen: Angebot und Nachfrage. Je häufiger und vollständiger die Brust entleert wird, desto stabiler bleibt die Milchbildung. Wenn Sie das Abpumpen gezielt nutzen, um Ihre Milchmenge zu steigern, gelten eigene Strategien wie das Power-Pumping, die wir im Ratgeber zur Milchbildung erklären.

Wie lange dauert das Abpumpen und wie viel Milch ist normal?

Hier ist die ehrliche Antwort wichtiger als eine schöne Zahl, weil an dieser Stelle die meisten Frauen unnötig verzweifeln.

Eine Pumpsitzung dauert meist 15 bis 20 Minuten pro Seite oder entsprechend kürzer, wenn Sie beide Seiten gleichzeitig pumpen. Bei der Menge kursieren Orientierungswerte von etwa 20 bis 30 Millilitern pro Seite und Sitzung, aber und das ist der entscheidende Punkt: Diese Menge schwankt enorm und sagt fast nichts über Ihre tatsächliche Milchbildung aus.

Eine Pumpe ist nie so effektiv wie ein saugendes Baby. Das Baby löst den Milchspendereflex zuverlässiger aus und entleert die Brust gründlicher. Wenn Sie also nur 30 Milliliter abpumpen, heißt das nicht, dass Ihr Baby zu wenig bekommt. Es heißt nur, dass die Pumpe weniger herausholt als Ihr Baby. Diese Unterscheidung erspart Ihnen viel Sorge. Wer aus geringer Pumpmenge auf zu wenig Milch schließt, zieht fast immer den falschen Schluss.

Die Menge steigt außerdem mit der Übung. Die ersten Sitzungen sind oft die magersten, das gibt sich.

Kann ich Stillen und Abpumpen kombinieren?

Ja, und für viele Familien ist genau das der Alltag. Sie stillen die meisten Mahlzeiten und pumpen für die Gelegenheiten, an denen jemand anderes füttert oder Sie nicht da sind.

Wenn Sie voll stillen und mit dem Abpumpen beginnen möchten, empfehlen viele Hebammen und Stillberaterinnen, damit erst nach den ersten sechs bis acht Wochen zu starten. In dieser Zeit stabilisiert sich das Stillen, und das Baby lernt die Brust sicher kennen. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil die Flasche in den ersten Wochen eine Saugverwirrung begünstigen kann, wenn das Stillen noch nicht gefestigt ist.

Wenn die abgepumpte Milch per Flasche gegeben wird, lohnt sich eine stillfreundliche Fütterungstechnik. Beim Paced Bottle Feeding muss das Baby an der Flasche ähnlich aktiv saugen wie an der Brust, was den Wechsel erleichtert.

Wie bewahre ich abgepumpte Muttermilch richtig auf?

Muttermilch ist erstaunlich robust, wenn Sie ein paar einfache Regeln beachten. Die folgenden Richtwerte orientieren sich am Protokoll #8 der Academy of Breastfeeding Medicine, dem international anerkannten Fachstandard zur Muttermilch-Lagerung, und gelten für gesunde, reif geborene Babys.

AufbewahrungsortHaltbarkeitHinweis
Raumtemperatur (bis etwa 25 Grad)etwa 4 StundenFrisch abgepumpt, abgedeckt
Isolierte Kühltasche mit Kühlakkuetwa 24 StundenFür unterwegs und den Transport
Kühlschrank (etwa 4 Grad)etwa 4 TageHinten lagern, nicht in der Tür
Gefrierfach im Kühlschrank (ohne eigene Tür)etwa 2 WochenTemperatur schwankt stärker
Gefrierfach mit eigener Türetwa 6 MonateKonstant kalt
Separate Gefriertruhe (minus 18 Grad)bis zu 12 MonateAm längsten haltbar

Die Werte decken sich mit den Empfehlungen der US-Gesundheitsbehörde CDC. Für frühgeborene oder kranke Babys können andere Zeiten gelten, fragen Sie dann Ihre Hebamme oder Klinik.

Ein paar praktische Punkte, die den Alltag erleichtern:

Wie taue ich Muttermilch auf und erwärme sie?

Hier gilt: schonend und langsam, denn Hitze zerstört wertvolle Bestandteile der Milch.

Zum Auftauen stellen Sie die gefrorene Milch am besten über Nacht in den Kühlschrank oder halten den Behälter unter handwarmes fließendes Wasser. Zum Erwärmen auf Trinktemperatur eignet sich ein Wasserbad oder ein Flaschenwärmer.

Zwei Dinge sollten Sie vermeiden:

Aufgetaute Milch schwenken Sie sanft, um die aufgerahmte Fettschicht wieder zu verteilen, statt sie zu schütteln. Einmal aufgetaute Milch gehört innerhalb von etwa 24 Stunden verbraucht und wird nicht wieder eingefroren.

Dass sich abgepumpte Milch beim Stehen in Schichten trennt oder leicht anders riecht als frische, ist normal und kein Zeichen, dass sie schlecht ist.

Welche Milchpumpe passt zu mir? Hand, elektrisch oder tragbar

Die richtige Pumpe hängt davon ab, wie oft und wozu Sie pumpen. Es gibt nicht die eine beste Pumpe, sondern die passende für Ihre Situation. Hier die Typen im ehrlichen Überblick.

PumpentypPasst fürNachteil
HandpumpeGelegentlich, unterwegsAnstrengend bei häufigem Pumpen
Elektrische EinzelpumpeRegelmäßig, eine SeiteZeitaufwändiger als Doppelpumpe
Elektrische DoppelpumpeHäufig, MilchsteigerungGrößer, teurer
Tragbare BH-PumpeBeruf, Hände freiTeurer, teils schwächer

Ein ehrliches Wort zur Auswahl: Wichtiger als die Marke ist, dass die Trichtergröße zu Ihrer Brustwarze passt. Ein zu großer oder zu kleiner Trichter macht das Pumpen schmerzhaft und ineffektiv. Viele Hersteller bieten verschiedene Größen an, im Zweifel lassen Sie sich von Ihrer Hebamme beraten. Wenn Sie nur selten pumpen, können Sie eine hochwertige elektrische Pumpe übrigens auch in der Apotheke mieten, statt sie zu kaufen.

Abpumpen bei Milchstau, vor der Geburt und in besonderen Situationen

Ein paar Sonderfälle tauchen häufig auf und verdienen eine kurze Einordnung.

Bei Milchstau kann vorsichtiges Abpumpen oder Ausstreichen Druck nehmen, wenn das Baby die Brust nicht ausreichend leert. Wichtig ist, nicht zu viel zu pumpen, sonst regt es zusätzliche Milchbildung an und verstärkt das Problem. Wie Sie einen Milchstau richtig lösen, lesen Sie im gesonderten Ratgeber, dort ist das Pumpen als eine von mehreren Maßnahmen eingeordnet.

Vor der Geburt raten manche zum Vorab-Gewinnen von Kolostrum. Das sollte nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin geschehen, weil die Bruststimulation in der Schwangerschaft in manchen Fällen vorzeitige Wehen auslösen kann.

Im Liegen oder freihändig geht mit einer tragbaren BH-Pumpe, was den Alltag mit Baby erleichtert.

Wann eine Hebamme oder Stillberatung sinnvoll ist

Für das reine Abpumpen brauchen Sie meist keine Fachperson. Unterstützung lohnt sich aber, wenn:

Neutrale, fachlich fundierte Informationen zur Ernährung in der Stillzeit bietet auch das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Spezialisierte Stillberatung vermitteln der Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen (BDL) und die La Leche Liga Deutschland.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein redaktioneller Ratgeber und ersetzt keine individuelle Stillberatung. Bei Schmerzen beim Abpumpen, Sorge um die Milchmenge oder Unsicherheit wenden Sie sich bitte an Ihre Hebamme oder eine IBCLC-Stillberaterin. Eine IBCLC ist eine nach internationalem Standard zertifizierte Stillberaterin.

Wenn das Abpumpen heute noch ungewohnt ist

Die ersten Male an der Pumpe fühlen sich technisch und ein bisschen fremd an, und die Ausbeute ist oft mager. Das gibt sich, sobald Sie Ihren Rhythmus und den richtigen Trichter gefunden haben und Ihr Körper sich an die Pumpe gewöhnt. Abpumpen ist kein Ersatz fürs Stillen und kein Wettbewerb, sondern schlicht ein Werkzeug, das Ihnen Freiraum schafft, sei es für den Beruf, für eine Nacht Schlaf oder einfach für einen Nachmittag für sich.

Und egal wie viel dabei zusammenkommt: Die Zahl im Fläschchen misst nicht, wie gut Sie Ihr Baby versorgen. Sie misst nur, was die Pumpe an diesem Tag herausholt.

Wie lief Ihr Start mit dem Abpumpen, was hat Ihnen geholfen, Ihren Rhythmus zu finden, und welche Pumpe hat für Sie am besten funktioniert? Solche Erfahrungen aus dem echten Alltag sind für andere Mütter Gold wert, die gerade zum ersten Mal unsicher vor der Pumpe sitzen. Erzählen Sie gerne in den Kommentaren davon. Vielleicht landet genau Ihr Tipp bei der richtigen Person.

*Dieser Artikel enthält Werbung.

Häufige Fragen zum Muttermilch abpumpen (FAQ)

Wie lange dauert es, 100 ml Muttermilch abzupumpen?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt von Tageszeit, Pumpe und Übung ab. Manche Frauen gewinnen 100 Milliliter in einer Sitzung von 15 bis 20 Minuten, andere brauchen mehrere Sitzungen dafür. Die Menge sagt nichts über Ihre Milchbildung aus, weil eine Pumpe immer weniger herausholt als ein saugendes Baby.

Wie viel Muttermilch sollte ich abpumpen?

So viel, wie Sie für den jeweiligen Zweck brauchen, nicht mehr. Für einen kleinen Vorrat reicht einmal tägliches Pumpen. Wenn Sie eine ganze Mahlzeit ersetzen, orientieren Sie sich an der Menge, die Ihr Baby sonst trinkt, oft 90 bis 150 Milliliter. Es gibt keine Zielmenge, die Sie erreichen müssen.

Wann am besten abpumpen, wenn man stillt?

Etwa 30 bis 60 Minuten nach einer Stillmahlzeit, dann ist bis zur nächsten Mahlzeit wieder genug Milch da. Viele Frauen pumpen morgens am erfolgreichsten, weil die Brust nach der Nacht am vollsten ist. So nehmen Sie dem Baby nichts weg.

Kann man Stillen und Abpumpen kombinieren?

Ja, das ist für viele Familien der Alltag. Sie stillen die meisten Mahlzeiten und pumpen für Gelegenheiten, an denen jemand anderes füttert. Beim Vollstillen empfiehlt es sich, mit dem Abpumpen erst nach den ersten sechs bis acht Wochen zu beginnen, wenn das Stillen sicher etabliert ist.

Wie lange ist abgepumpte Muttermilch haltbar?

Frisch abgepumpt hält sie bei Raumtemperatur etwa vier Stunden, im Kühlschrank etwa vier Tage, im Gefrierfach mit eigener Tür etwa sechs Monate und in einer separaten Gefriertruhe bis zu zwölf Monate. Aufgetaute Milch verbrauchen Sie innerhalb von etwa 24 Stunden und frieren sie nicht wieder ein.

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